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Wie eine Gemeinde ihre Zukunft plant

Zukunftswerkstatt in Gensingen-Grolsheim. Foto: Hilke Wiegers

“Wir werden kein Angebot aufsetzen, bei dem es nicht um Glauben geht.” Das hat sich die Kirchengemeinde Gensingen-Grolsheim vorgenommen und damit die Grundlage für ihre neue Gemeindestrategie gelegt. (Im Foto tagt die Zukunftswerkstatt, Foto: Hilke Wiegers.) ChurchDesk hilft ihnen dabei, mit allen Zielgruppen in Kontakt zu bleiben.

Der prägnante Satz über die Gemeindeangebote ist ein Ergebnis ihrer Zukunftswerkstatt, die es seit November 2019 gibt. Die Idee dafür kommt von Pascal Leclerc. Heute engagiert er sich mit viel Energie für Gensingen-Grolsheim, aber noch vor einem Jahr spielte er mit dem Gedanken, aus der Gemeinde auszutreten und sich eine neue spirituelle Heimat zu suchen.

Gensingen-Grolsheim ist eine Gemeinde in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN): zwei Kirchen, knapp 2.000 Mitglieder, Gottesdienst, Seniorenkreis, Blechbläser, Konfirmandenunterricht - aber für Leclerc war nichts dabei. Die Gemeinde ist relativ jung, das Durchschnittsalter liegt bei 42, die Mehrzahl der Mitglieder sind Familien. Diese “Mitte der Gemeinde” hätten die bestehenden Angebote “nicht mehr wirklich erreicht”, sagt Leclerc heute.

Nur der gute Draht zu Pfarrer Markus Weickardt hat ihn vom Wechsel in eine andere Gemeinde abgehalten. Stattdessen haben die beiden zusammen überlegt: Was könnten sie tun, um Menschen wie Leclerc und andere junge Familien wieder enger an die Gemeinde zu holen?

Planen, machen, überprüfen 

“Die Neubaugebiete sind größer als der alte Ortskern”, beschreibt Pfarrer Weickardt die Situation in seiner Gemeinde. Deshalb teilt er Leclercs Einschätzung: “Wir erreichen gewisse Gruppen nicht, die wir gern erreichen möchten.” Kirchengemeinden arbeiteten zu oft milieu-verengt, auch das wollte er gern ändern.

Ihr Vorschlag an den Kirchenvorstand war deshalb die Zukunftswerkstatt, eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, “Verbindung zu anderen Menschen erzeugen”. Pfarrer Weickardt ist mit dabei, insgesamt arbeiten neun Menschen in der Gruppe. Die Leitung hat Leclerc, der dafür seine Berufserfahrung als Projektmanager und “agile coach” nutzt.

Für die Gemeinde hat er die Methode des “Plan - Do - Check - Act” adaptiert. Die Grundidee dahinter ist, relativ schnell einen Plan zu machen, erste Schritte umzusetzen, das zu reflektieren und daraus die nächsten Schritte abzuleiten.

“Wir wollten schnell ins Arbeiten kommen und machen”, beschreibt Leclerc die Herangehensweise. Patentrezepte gibt es aber keine, so dass sich die Gemeinde erst auf eine gemeinsame Grundlage einigen musste. Dabei fand die Gruppe “Offenheit, Gastfreundschaft und Wertschätzung” und den Wunsch, "jeden einzuladen, bei uns Gott kennenzulernen”. Neue Angebote will die Gemeinde deshalb auch daran messen, ob es dabei um Glauben geht oder nicht.

Mehr Verlässlichkeit im Ehrenamt

Um zu einer einladenden Gemeinde zu werden, nutzt Gensingen-Grolsheim außerdem die Gemeindewerkzeuge von ChurchDesk. Besonders die zielgruppenorientierte Kommunikation über das Kontakte-Modul ist ihnen wichtig. Auf der Webseite, ebenfalls mit ChurchDesk gepflegt, hat die Zukunftswerkstatt auch einen eigenen Blog, um Transparenz in die Arbeit zu bringen.

Das erste Projekt der Zukunftswerkstatt war ein Bereich, in dem die Gruppe den größten Bedarf sah: beim Ehrenamt. Die Zukunftswerkstatt hat deshalb ein Ehrenamtsmanagement entwickelt. Dazu gehört sowohl ein Versprechen der Gemeinde an die Ehrenamtlichen als auch eine umgekehrte Verpflichtung der Ehrenamtlichen gegenüber der Gemeinde, zum Beispiel Verlässlichkeit in der Arbeit. Das alles so klar zu formulieren “war ungewohnt”, erzählt Leclerc, aber mit den gemeinsamen Regeln funktioniere die Zusammenarbeit besser.

Bei der Arbeit am Ehrenamtsmanagement haben sie aber auch gehört: “Bei uns findet Gott eigentlich nicht statt.” Auch die Ehrenamtlichen wünschten sich Angebote, um “im Glauben zu wachsen”. Die Zukunftswerkstatt hat deshalb testweise einen Bibelkreis gestartet, zum Ausprobieren begrenzt auf 10 Plätze und 60 Tage.

“Ich hätte nie gedacht, dass die zehn Leute zusammenkommen, aber nach einer Stunde waren die Plätze weg”, erzählt Leclerc. Nach den 60 Tagen werden sie dann überprüfen, ob der Bibelkreis so oder anders in die nächste Phase geht, ganz gemäß dem Prinzip “Plan, Do, Check, Act”.

Alle sind weiterhin gefragt

Ein halbes Jahr nach dem Start der Zukunftswerkstatt in der Gemeinde kann Leclerc schon erste Lehren ziehen. Ein solcher Prozess sei ohne Ehrenamt nicht machbar, “das können Pfarrer nicht nebenbei leisten”, sagt er. Außerdem gebe es natürlich weiter skeptische Menschen in der Gemeinde.

Pfarrer Weickardt bestätigt das. Seine Rolle als Pfarrer sieht er auch darin, “die Angel zwischen Zukunftswerkstatt und dem Rest der Gemeinde” zu sein. Gerade die älteren, digital unerfahrenen Ehrenamtlichen stellten sich die Frage: “Sind wir noch gefragt oder soll alles ganz anders werden?”

Die Antwort ist: Sie sind auch weiterhin gefragt. Die klassischen Angebote der Gemeinde bleiben erhalten. “Das Spielfeld, das wir haben, ist so groß, dass wir keinen Einschnitt planen”, sagt Leclerc. Nur die Gottesdienste sollen zukünftig passender für unterschiedliche Zielgruppen geplant werden.

Aber es seien “alle relativ froh darüber, dass etwas passiert und dass es wieder eine Art Kompass gibt”, erzählt Leclerc und freut sich über die neuen Möglichkeiten: “Da investiert die Gemeinde in die Zukunft.”

Topics: Gemeindeberatung

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