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Interview mit Hanno Terbuyken: "Mit Überzeugung und Liebe zur Kirche die Arbeit machen"

Geschrieben von Wiebke Balster | 03.09.26, 11:23

Hanno Terbuyken wird zu Ende September bei ChurchDesk aufhören. Lesen Sie mehr dazu in diesem Interview!

 

Nach sechs Jahren als “Country Manager” bei ChurchDesk wirst du nun die Stelle wechseln. Wo gehst du hin?

Ich werde am 1. Oktober eine neu geschaffene Stelle als “Leitung Mitgliederkommunikation” im Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik (GEP) antreten. Meine Aufgabe dort wird sein, mit einem kleinen bestehenden Team die Bemühungen der evangelischen Landeskirchen zur personalisierten Direktkommunikation in allen Belangen zu unterstützen, zu ergänzen, zu bündeln, zu stärken und zu vernetzen.

Was hat dich dazu bewogen, zu wechseln?

Es gibt Gelegenheiten, die nur einmal im Leben vorkommen, und das ist eine davon. Genauso war es 2020 auch, als ich bei ChurchDesk angefangen habe: Auch das war eine einzigartige Gelegenheit, die Kirche auf dem Weg in die digitale Gegenwart zu begleiten. Seitdem habe ich geholfen, das Team in Berlin von drei auf knapp 30 Kolleg*innen auszubauen und ChurchDesk zum deutschen Marktführer im Bereich Kirchensoftware voranzubringen. Zusammen mit dem wachsenden Team habe ich für 15 Landeskirchen und Bistümern ganz konkreten Mehrwert in ihrer digitalen Gemeindearbeit geschaffen.

Jetzt geht es bei ChurchDesk darum, etwas Großes größer zu machen und den erreichten Erfolg fortzusetzen. Ich habe aber wieder Lust, etwas Neues aufzubauen, und das kann ich im GEP mit der neuen Aufgabe tun. Die evangelischen Landeskirchen wünschen sich, dass die “Zentrale Koordinierungsstelle Mitgliederkommunikation” weiter ausgebaut werden soll. Diese Chance kommt nur einmal, und daran konnte ich nicht vorbeigehen. Wenn es nicht genau diese Aufgabe wäre, würde ich bei ChurchDesk bleiben, aber daran hängt mein Herz und deswegen ist es der richtige Schritt. 

Was ist deine interessanteste Beobachtung aus insgesamt sechseinhalb Jahren ChurchDesk?

Die Selbstverständlichkeit, mit der Gemeindesoftware eingesetzt wird, ist deutlich größer geworden. Allen ist klar, dass Kugelschreiber und Wandkalender nicht mehr ausreichen, um schnell und effizient zu verwalten und zu kommunizieren. Gleichzeitig funktioniert das aber nur, wenn Dienstleister und Diözesen gemeinsam die Hürden abbauen, neue Werkzeuge und neue Abläufe zu akzeptieren und zu benutzen. Schulung, Training, Akzeptanz, manchmal auch Überforderung in den Pfarreien müssen immer im Blick behalten werden.

 Dabei unterschätzen Landeskirchenämter und Ordinariate manchmal, wie viel Energie in Gemeinde und Pfarrei tatsächlich aktiviert werden kann! Bevor man sagt “das schaffen die doch gar nicht”, sollte man das zumindest einmal ausprobieren. Und aktiv dabei helfen. 

Was sollten unsere Kunden über ChurchDesk wissen, was sie vielleicht nicht immer direkt sehen?

Im Inneren bewegt sich unglaublich viel, was nach außen nicht immer sichtbar ist. Die Firma ist groß geworden und muss auf die Wünsche von zehntausenden Nutzer*innen eingehen, die aber gelegentlich glauben, sie wären die einzigen, die gerade Support brauchen. Es ist eine echte Herausforderung, Erfolgsgeschichten aus dem Kirchenalltag ebenso sichtbar zu machen wie den geringen Prozentsatz von Fällen, in denen eine Support-Antwort eben doch mal eine Woche dauert und die Nutzer*innen dann unzufrieden sind. Es ist immer noch so: Wenn sich einer von Hundert laut beschwert, hinterlässt diese Person mehr Eindruck als die 99 Zufriedenen. Dabei können sich die meisten unserer Nutzer*innen ihre Alltagsarbeit ohne ChurchDesk nicht mehr vorstellen.

Wie hat sich ChurchDesk in den letzten Jahren verändert?

Als ich angefangen habe, stand das Thema “Kommunikation” im ChurchDesk-Produkt noch am Anfang, der Kalender war das Herzstück und einen Vertrag mit größeren Organisationen als einem Kirchenkreis war eine Seltenheit. Heute ist die Kommunikation in der DNA der Produktentwicklung ganz anders verankert und die Geschwindigkeit der Entwicklung ist um ein Vielfaches schneller geworden. ChurchDesk ist kein Startup am Anfang der eigenen Geschichte mehr, sondern ein marktführendes Scale-Up.

 Das Team in Berlin hat sich fast verzehnfacht, am Hauptstandort in Kopenhagen ist das Team ebenfalls erheblich gewachsen und durch die Firmen, die zu ChurchDesk dazugekommen sind, haben wir ganz viel Expertise gewonnen. Das hat die Schwarmintelligenz und das Fachwissen der ganzen Firma erheblich bereichert. Dadurch wurden auf einmal Entwicklungen möglich, die vorher auf die lange Bank geschoben werden mussten - zum Beispiel die Weiterentwicklung im Finanzen-Modul und die kommende Mitglieder-App “Circles”.

Worauf bist du besonders stolz?

 Meine Kollegin Ronja Borchers und ich haben Ende 2020 gesagt: Wir wollen gemeinsam ein Team schaffen, das stabil bleibt und gemeinsam wachsen kann. Das ist uns gelungen. Auch wenn viele Menschen in den Jahren seitdem gekommen und manche auch wieder gegangen sind, ist der Kern des Teams gleich geblieben und hat viele Strukturveränderungen und das Firmenwachstum mitgestaltet. Die ChurchDesk-Geschichte ist eine Geschichte von Menschen, die mit Überzeugung und Liebe zur Kirche und unseren Kunden ihre Arbeit machen, und ich kann jetzt schon sehen, dass diese Geschichte gut weitergeht.

Außerdem habe ich den ChurchDesk Summit aufgebaut. Es gibt kein vergleichbares Forum, auf dem sich katholische und evangelische Entscheider*innen in gleicher Weise vernetzen, und darüber freue ich mich jedes Jahr.

Welchen Rat gibst du Gemeinden, Landeskirchen und Diözesen zum Ende deiner ChurchDesk-Zeit auf den Weg?

 Nutzt die Chance, die sich aktuell bietet! Es ist klar, dass sich die Kirche verändert. Wir leben in Zeiten von großen Strukturveränderungen. Es ist aber nicht überall klar, wie “Kirche” vor Ort und in der Region in zwei, drei Jahren aussehen soll. Darin liegt auch die Gelegenheit, gemeinsam neue Wege zu beschreiten! Arbeit in und für die Kirche sollte Dienst am Menschen sein, und die digitalen Werkzeuge müssen dabei unterstützen. Strukturwandel, Gemeindesoftware, Mitgliederkommunikation - das ist alles kein Selbstzweck.

 Daher habe ich zwei Ratschläge: Die Botschaft, dass sich die Kirche verändert, ist überall angekommen. Sie verändert sich, um den Dienst am Menschen im Auftrag des Evangeliums unter neuen Rahmenbedingungen zu ermöglichen. Gute Software wie ChurchDesk ist essentiell dafür, dass die Menschen vor Ort trotz geringerer Ressourcen ihre Arbeit mindestens genauso gut oder sogar besser schaffen. Das können Landeskirchenämter und Ordinariate, aber auch Leitungen vor Ort aktiv ermöglichen und dazu ermutigen.

Und der zweite Rat: Die Kirche der Zukunft muss weiße Flecken auf der Landkarte aushalten. Sie kann digital überall sein, aber nicht physikalisch. Das müssen die Verantwortlichen aushalten und ihr Verständnis erweitern, was, wie und wo “Kirche” und Gemeinde sein können. Eine digital gestützte Spiritualität ist genauso viel wert wie ein Gebet im Seitenschiff, und beides hat seinen Platz in der digitalen Gegenwart. Und der Vorteil ist, dass digital keine “one size fits all”-Kirche nötig ist: Wir können genauer personalisieren, Menschen individuell ansprechen, ihnen aktiv zuhören und das Evangelium so besser erlebbar machen.

Was ist dir zum Abschluss noch wichtig?

 Auch wenn ich jetzt wieder konkret im Bereich der evangelischen Landeskirchen arbeiten werde, möchte ich die katholischen Kontakte aus den letzten Jahren nicht fallen lassen. Wir haben ökumenisch die gleichen Herausforderungen und Aufgaben, und ich möchte die jeweiligen Erkenntnisse weiter miteinander vernetzen, so wie wir das bei ChurchDesk seit Jahren tun.

Danke und wir wünschen dir alles Gute für die neue Aufgabe!